01.07.2010
Keine
Gefahr durch Hartz-Vier-Ein-Viertel!
von Dieter Schwang
Nachdem
bei der ARGE die privaten Arbeitsvermittler, die Trainer
neuer
Fähigkeiten usw. im wesentlichen versagt
haben, nun eine neue Idee, zurückgehend auf Hartz, Peter,
Dr. Wer dachte, jetzt kommt der nächste Schlag, vielleicht
Hartz 5, wurde doch „enttäuscht“, mehr als
1/4 kam nicht heraus. Gross angekündigt als neues
Hartz-Projekt - diesmal ganz sozial - wurde ein neues Unternehmen
ins Leben
gerufen: Minipreneure Zentrum gGmbH, IT Park Saarland. Das
kleine „g“ steht für „gemeinnützig“.
Dazu später. Minipreneure
ist eine französisch angehauchte Verniedlichung
von „Kleinstunternehmer“ und so haben wir eine
neue Variante der gescheiterten Ich-AG vor uns, wobei es
sich bestenfalls um eine Vorstufe derselben handelt. Denn,
ob tatsächlich neue Arbeitsplätze entstehen, „dafür
können wir natürlich keine Versprechen abgeben“,
so der Diskussionsleiter auf einer Info-Veranstaltung besagter
gGmbH am 01.07.10 in Saarbrücken-Malstatt. Das Konzept: „Minipreneure,
Chancen für arbeitslose Menschen, die ihr Leben neu
gestalten wollen. Ich mache mich selbst zum Projekt!“ Die lieben
interessierten Arbeitslosen bilden eine „Ortseinheit“,
werden einem „Gesundheitscoaching“ - Arbeitslose
leben ja auch ungesund - einer Talentdiagnose und schließlich
einer Kreativ-Woche, dem sogenannten „Polylog“ -
ob den Erfindern dieser Wortschöpfung bewusst war, dass
die freie Übersetzung auch „Viel Geschwätz“ heißen
könnte - unterzogen. Auf dieser völlig freiwilligen
Basis wird mit oder ohne Unternehmenskontakten - sofern
das Profil passt - gesucht, ob XY im Bereich 30 km
arbeiten kann. Gut ist, wenn ein anderer aus der Ortseinheit
am eigenen Wohnort über einen Arbeitsbedarf, der auf
XY passt, gehört hat. Dann kann er helfen. Synergie
nennt man das auf Neudeutsch.
Auf
die lapidare Frage einer Besucherin, ob es sich statt
um eine
Arbeitsvermittlung
um eine Art Fitnescenter handelt,
kam die klärende Antwort: Ja. Die Dame wartete anstandshalber
einige Minuten ab und ging. Die Montagsdemonstranten, die
durch ihr Erscheinen die Veranstaltung erst zu einer machten,
die ihren Namen verdient (3/4 der Besucher), sorgten
nicht nur durch ihr Transparent „Weg mit Hartz IV“ dafür,
dass die richtigen Themen in den Mittelpunkt rückten:
Protest gegen das Pauschalurteil vom demoralisierten Arbeitslosen,
gegen die unausgesprochene und kritiklose Anerkennung der
Arbeitsplatzvernichtung durch Konzerne als unveränderbar,
gegen die Schuldzuweisung der Arbeitslosigkeit an Menschen,
die ihr Leben nicht „neu gestalten“ wollten.
Zurecht protestierte ein Bergmann gegen die „Neugestaltung
seines Lebens“ durch die Zwangsversetzung nach Ibbenbüren.
Hoffnung von den weiteren Besuchern, hier was verdienen zu
können, machte sich nur ein EDV-Kollege, der gleich
in die Firma einsteigen wollte. Die Arbeitslosen interessierten
sich mehr für die Montagsdemo.
Interessant,
dass Peter Hartz im Werbeheftchen nirgends mehr auftaucht.
Selbst
in seinem neuen Projekt ist sein Name
nicht mehr werbewirksam. Aufs Glatteis - im Hochsommer -
begab sich der Referent, als er Hartz und seine Bestechung
des VW-Betriebsrates zu verteidigen suchte. Wies doch
ein
Demonstrant auf den Charakter solcher Leute hin. Nun zum
g. Betont wurde die ehrenamtliche Tätigkeit
der 3-köpfigen Firma, bei Aufwandsentschädigung,
versteht sich. Wie wird das ganze bezahlt? Nachfragen ergab:
Die ARGE zahlt für Coaching, Diagnose und Kreativ-Woche
Ausbildungskosten - zumindest soll sie das. Das Ortseinheitsmitglied
muss das bei der Arge beantragen. Da die gGmbH im Anfangsstadium
natürlich noch keine Einnahmen hat, jedenfalls nicht
durch ihre Tätigkeit, höchstens als Unternehmensstarthilfe
von der ARGE, kann sich das Trio leichterdings als ehrenamtlich
bezeichnen. Wenn die Sache ins Rollen kommen sollte, werden
die Einnahmen fließen. Man weiß ja: Ausbildung
ist teuer. Gespannt warten wir darauf, wann das g vorn herunterfällt
- oder die Firma hinten. Hartz lässt grüßen!
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